Vom Turnvater Jahn zu Klinsmann & Co.

„Frisch, fromm, fröhlich, frei“, so lautete der Wahlspruch von Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852). Jener „Turnvater“ Jahn war es, der im 19. sowie zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Turnsport etablierte und wohl auch der Beweggrund für mehrere Istruper Männer war, sich am 4. Dezember 1907 zu versammeln und zunächst unter dem Namen Turnverein „Frisch Auf“ Istrup unseren Verein zu gründen.

In der Gründerversammlung wurde beschlossen, den Vorstand aus „älteren“ Männern zu wählen. Außerdem wurde die Anschaffung der ersten Turngeräte beschlossen und zwar ein Reck, ein Schnursprunggestell und eine Hantel. Geturnt wurde zunächst dienstags und freitags abends von 20.00 bis 22.00 Uhr.

Am 22. Januar 1908 wurden über verschiedene Statuten und Paragraphen beraten, die in kleinen Veränderungen angenommen wurden. Der Eintrittspreis in den Verein wurde damals auf 3 Mark pro Mitglied festgelegt. Außerdem wurde beschlossen weitere Turnfreunde für den Verein zu gewinnen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Verein laut Mitgliederverzeichnis 20 Mitglieder.

Sehr viel Wert wurde auf gutes Benehmen gelegt. Bereits auf der dritten protokollierten Versammlung am 4. März 1908 wurde ein Mitglied wegen „ungebührlichen Betragens außerhalb des Turnvereins“ aus dem Verein ausgeschlossen.

Im Jahr 1909 wurde erstmals ein Turnfest ausgerichtet, welches sehr erfolgreich durchgeführt wurde. Im selben Jahr folgte man einer ersten Einladung nach Heidenoldendorf. Bei den dort durchgeführten Wettkämpfen errang der Turner Fritz Holtmann in der Einzelwertung den siebten Kranz. In der Mannschaftswertung belegte der Turnverein Istrup den achten Kranz.

Auf der Generalversammlung am 8. Januar 1909 bat der bisherige Vorsitzende Wilhelm Thiele die Versammlung, ihn von seinem Posten zu entbinden und der Zieglermeister Karl Kleine wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Wie aus den damaligen Protokollen hervorgeht, wurden noch während der Versammlung rückständige Beiträge erhoben und anschließend die Kasse geprüft. Auch aus den weiteren Protokollen ist ersichtlich, dass die Kasse früher grundsätzlich erst anlässlich der Versammlung geprüft wurde.

Anlässlich der Generalversammlung am 04.01.1910 wurde erstmalig eine Damenriege gegründet. Anscheinend hatte die Begeisterung für die Turnerei aber im Allgemeinen nachgelassen, denn der stellvertretende Vorsitzende Wilhelm Thiele richtete zum Schluss der Versammlung mahnende Worte an die aktiven Mitglieder.

„Dem Turnvater Jahn zum Vorbilde der Turner möge jeder deutsche Jüngling sich dem Turnen anschließen um seinen Geist und Körper zu stählen, denn das Turnen bringt Mut und Geistesgegenwart. Sollte dann unser deutscher Kaiser und das Vaterland seine Söhne zusammenrufen zum Kampfe, dann lieb Vaterland magst ruhig sein, fest und treu die Wacht am Rhein…“ (Auszug aus dem Protokoll vom 4. Januar 1910)

Ohne, dass über eine Wahl berichtet ist, wird in der Niederschrift vom 04.01.1911 Gustav Thiele als Vorsitzender genannt, womit erstmalig ein aktiver Turner die Leitung des Vereins übernommen hat.

Die nur kurze Tätigkeit des Ziegelmeisters Karl Kleine, der den Verein immer finanziell gefördert hatte, hängt damit zusammen, dass dieser einen Schlaganfall erlitt und bis zu seinem Tode im Jahre 1916 an den Rollstuhl gefesselt war.

Schon früh erkannte man, dass das Turnen nicht nur positive Aspekte mit sich bringt, sondern auch Verletzungsgefahren birgt. Daher wurde bereits 1912 über den Abschluss einer Unfallversicherung beraten.

Im Jahre 1913 war der Turnverein Istrup Ausrichter des Lippischen Turnfestes. Die hierfür festgelegten Eintrittspreise ermöglichen einen interessanten Vergleich zwischen den letzten Vorkriegsjahren 1912 und 1913 und heute. So heißt es unter anderem:

Für Kommersabend 0,20 Mark

für Tageskarte mit Kommersabend 2,00 Mark

Platzkarte für Vormittag 0,30 Mark

Platzkarte für Nachmittag 0,50 Mark

Tanzkarte für den Abend 1,30 Mark

Nichttänzer 0,75 Mark

Der organisatorische Aufwand zur Durchführung des Turnfestes unterscheidet sich übrigens nur wenig von den heutigen Abläufen. In zahlreichen Versammlungen wurde akribisch organisiert und geplant. Es mussten unter anderem ein Festplatz, ein Festzelt, eine Kapelle, Kampfrichter, ein Rundmarsch, Übernachtungsmöglichkeiten, Kassierer und weitere Helfer organisiert werden. Ursprünglich war das Fest für beide Pfingstfeiertage geplant. Aus Kostengründen wurde zwischenzeitlich die Überlegung angestellt, das Fest ausfallen zu lassen. Letztendlich einigte man sich dann darauf, das Fest lediglich am Pfingstsonntag durchzuführen. Im Übrigen mussten alle Mitglieder, die nicht am Festumzug teilgenommen haben, eine Strafe zahlen.

Dass die Istruper und besonders wohl die Turner gern feierten, ist nicht zu verheimlichen. In der Niederschrift vom 14. Juli 1913 ist davon die Rede, am 7. September eine Sedanfeier zu veranstalten. Der Sedantag war früher ein besonderes Ereignis. Er war eine Erinnerung daran, dass im Kriege 1870/71 der Kaiser der Franzosen in der Schlacht bei Sedan in deutsche Gefangenschaft geriet. Für die Schulkinder war damals am 2. September sogar immer schulfrei.

Dieses Bild ist vermutlich zwischen 1910 und 1912 auf einer Wiese hinter dem ehemaligen Försterhaus (heute Lorentzen) und dem Haus Rubart (heute Weisner) in der Dorfstraße entstanden. Viele der abgebildeten Turner kehrten aus dem Krieg nicht mehr zurück.